Die letzten Deutschböhmen

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Juli 11, 2011 von reportagereisen


„Meine liem Nochborsleit! Summerzeit – scheene Zeit! Mir solltn se gut nutzn, denn leider vill zu schnell, is der Summer widder vorbei. Ihr wißt es jo selwer. Je elter mer wird, um so öfters denkt mer oo de Jugndzeit zurick. Wemmer jung is, waß mer de Jugnzeit goor nett zu schätzn. Do mecht mer meglichst schnell erwochsn sei. Erst wemmer in de Johr kimmt, wird ann bewußt, daß des de schennste Zeit im gonzn Lehm is. Dann mecht mer am liebstn en Rickwertsgong eischoltn un de Jugendzeit nuch moll bewußt erlehm. Owe vorbei is vorbei. Do droo beißt de Maus kann Foodn oo. Woß nitzt do olles Lommentiern: „Och, hett iech doch neer!“ Woß versaamt worn is, leßt sich nett nochulln. Außerdem is es nuch gor nett raus, ob mir nett doch widder de oltn Fehler mochn teetn. Mir wissns jo vo Silvester her, wie long gute Vorsätz vorzuholtn pfleegn. Es Gute woß mer ständig hoot, wird recht boll zu ner Selbstverständlichkeit. Des is wie mit der Gesundheit, die mer aa zu schätzn waß, wemmer se eigebießt hott.“

Viele Jahre erinnerte „dr Nochbor Seff“ an die verlorene Heimat, hielt den Dialekt seiner Kindheit und der Ahnen aufrecht. Jahrelang schrieb er im Kaadner Heimatbrief gegen die Zeit, das Vergessen und gegen den Hass. Josef Jugl gehörte wie weitere drei Millionen Sudetendeutsche zu den Leidtragenden des Zweiten Weltkrieges.

Für mich war der Heimatbrief, den meine Großmutter erst nach der politischen Wende 1989 beziehen konnte, eine Broschüre vergangener Zeiten, gefüllt mit Geburtstagslisten alter Menschen und Todesanzeigen. Obwohl ich wußte, wo meine Wurzeln lagen, war es mir nicht gelungen, Kontakt zu den Enkeln meiner deutsch-böhmischen Nachbarn zu finden.

Wir besuchten in den 1970er und 1980er Jahren oft die Gegend an der Eger. Mir waren Menschen und Landschaft zwischen Karlsbad und Komotau, dem heutigen Chomutov, vertraut; ich liebte die Vulkanlandschaft, den weiten Bogen des Egerflusses, Oblaten, Meerretichsenf und Franzbranntwein. Von den tiefsitzenden Ereignissen, die über Jahrzehnte das Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen belasteten, war ich, wie viele meiner Generation, befreit. Meine Heimat lag an der Unstrut, meine Wurzeln im böhmischen Erzgebirge und das Missverhältnis in Churchills Streichhölzern und seiner willkürlichen Westverschiebung, am verlorenen Krieg und den Benesch-Dekreten. 1984 wunderte ich mich noch darüber, dass wir uns mit Frau Lux in Horni Halze (Oberhals) in Deutsch unterhielten und ihre Tochter in der nahen Kapelle deutsche Lieder sang. Als gelernter DDR-Bürger verband ich unsere Fahrten ins Egerland mit Abenteuer, anderen Kulturen und kam mir wie Old Shatterhand auf Entdeckung vor. Ich lag nicht weit davon entfernt. Karl May hatte die alten Pascherwege zwischen Böhmen und Sachsen bereits in seinem Roman „Das Buschgespenst“ beschrieben und die Indianer waren ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben worden.

Ich war in den späten 1990er Jahren, nach Wende und kommunistischer Implosion, gezwungen, eine zweite Heimat zu finden. Nicht aus kriegsbedingten Gründen oder wegen wilder Vertreibungen, sondern arbeitsbedingt. Meine Heimat konnte mir keine Arbeit bieten und ich fand diese und Freunde in Niedersachsen. Im Laufe der Jahre konnte ich jedoch die Not meiner Altvorderen besser verstehen, ohne allerdings direkt an ihre und somit meine Wurzeln heranzukommen. Da ich mir derer bewußt werden wollte, begab ich mich im Frühjahr 2011 auf eine Zeitreise und traf in Klösterle auf die letzten Deutschböhmen.

Seit nun mehr als sechs Jahrzehnten heißt Klösterle Klásterec nad Ohrí, ebenso wie aus Gottesgab Bozí Dar wurde und in die ehemals deutschen Siedlungsgebiete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Zigeuner, Slowaken und Tschechen zogen. Es ist eines der langen und traurigen Episoden in der europäischen Geschichte, deren Wahrheiten erst seit den Jahren der politischen Wende verstärkt beleuchtet und besprochen werden. Doch die Vertreibung der Deutschen aus ihrer Heimat nach dem Krieg polarisiert noch heute, drei Generationen nach den Ereignissen von 1945/47. Der Todesmarsch von Brünn, die Massaker von Podersam/Podbodany, Postelberg/Postoloprty und Saaz/Zatec hinterließen ihre Spuren und mussten doch bis 1989 für die Überlebenden Tabu bleiben.. Familien verstreuten sich über Deutschland, nach Sachsen, Bayern, Niedersachsen. „Ihr wolltet doch heim ins Reich“ hieß es für Frauen und Kinder, deren Männer, Väter und Söhne den Krieg überstanden hatten oder, erst wieder in der Heimat angekommen, geradewegs in Kriegsgefangenschaft gingen. Lehrer, Obsthändler, Ingenieure, Schriftsetzer und Dachdecker, Hebammen und Lehrer mussten ihre Heimat verlassen. Bauern, die über Generationen, oft mehr als 300 Jahre lang, ihr Land bewirtschaftet hatten, wurden erst in den „wilden Vertreibungen“, später in Massentransporten von ihren Höfen, Häusern oder aus ihren Wohnungen vertrieben. Hab und Gut mussten zurückbleiben, ein Koffer und 30 Kilogramm für die Familie reichen.

Einmal im Jahr treffen sich heute die letzten Sudetendeutschen zum Frühlingsfest. Früher fanden die Treffen öfter statt, 1991 zum ersten Mal auch offiziell in der alten Heimat. Doch Krankheit, Alter und dem Dahinscheiden der alten Landsleute geschuldet, schmilzt auch der Haufen der letzten Deutschböhmen immer mehr. Wo sind die Nachfahren, die Kinder und Enkel der Vertriebenen, wo haben sie ihre Heimat gefunden, neu definiert und aufgebaut? Interessieren sie sich nicht neben I-Phone, Internet und Globalisierung für ihre Wurzeln; für die Heimat ihrer Eltern und Großeltern? Ist die Vergangenheit so unwichtig und nur mit alten Trachten und Volksweisen zu berbinden? Rechte Stimmung kam selbst während des Treffens nur gelegentlich und so richtig erst am letzten Abend auf. Die Organisation des Klösterlischen Treffens hinkte ein wenig hinterher und sorgte für zerknirschte Laune. Früher sorgten Mila Kral mit seiner Teufelsgeige und Fischer Annie für Stimmung. Doch Rock’n’Roll und Hip-Hop sind an den Sudetendeutschen vorbeigegangen und heute wirken die Lieder von Anton Günther trotz ihrer Aktualität antiquiert. Anton Günther, der wohl bekannteste Volksdichter des Erzgebirges gilt heute als Ikone. Seine Lieder hielten Mundart und Lebensstimmung der Einheimischen fest. Günther, der sich 1937 das Leben nahm, stand fest zu seiner deutsch-böhmischen Heimat, ohne sich, wie viele seiner Generation, von den Nationalsozialisten vereinnahmen zu lassen. Doch auch andere ließen sich nicht vereinnahmen; kamen nur oft zum falschen Zeitpunkt an den falschen Ort.

Den letzten Sudetendeutschen geht es nicht um Vergeltung, sondern um Gerechtigkeit. Sie glichen mir den Indianern Nordamerikas, die in Reservationen und von der Sozialhilfe der Weißen leben. Immerhin gelten die Sudentendeutschen in Bayern als vierter Stamm. Die Zeit spielt gegen die, die an der Heimat hängen und als Kinder oder Jugendliche von ihren Wurzeln abgerissen wurden. Die Politik und mächtige Männer entschieden, dass drei Millionen Menschen ihre Heimat aufgeben mussten, ihre Pferde, Hunde und Kühe, ihre Wurzeln und Traditionen. Churchills Streichhölzer und die verlorene Heimat waren schon längst von den deutschen Politikern akzeptiert worden. „Wie sieht es aus daheim?“, stellten sich die Entwurzelten immer wieder die Frage. Oft war es ihnen erst zwanzig Jahre später mit einem Visum möglich, in die Heimat zu fahren, einen Blick auf Haus und Hof zu werfen, auf die alten Apfelbäume und Kirschplantagen, die sie selbst noch vor Ausbruch des Krieges angelegt hatten.

„Dr Nochbor Seff“ schrieb seine Berichte immer in der heimatlichen Mundart. Ich habe den Bezug zur Sprache meiner Altvorderen behalten, auch wenn ich selbst den Dialekt nicht spreche und das immer mehr bedauere. Seff, den ich selber leider nie persönlich kennenlernte, grüßte in jedem seiner Briefe „Meine liem Nochborsleit!“ Erst nach der politischen Wende 1989 durfte über die Heimat gesprochen werden, dass man aus Posen, Kempen oder Breslau stammte, aus Klösterle und Leskau vertrieben wurde. Treffen ehemaliger Nachbarn waren bis 1989 verboten, als revanchistisch verschrien und von der Staatsmacht argwöhnisch beobachtet. 1991 sagte Jugl: „Es gibt keine Kollektivschuld. Ich war auch nach der Vertreibung voller Hass. Aber nun nicht mehr. In unsere Heimat sind Menschen gesetzt worden, die ihre eigene Heimat gefunden haben, auch ihre Kinder sind hier aufgewachsen. Wir möchten nicht, dass Ihnen das gleiche wiederfährt wie uns. Doch es ist wichtig, sich der Vergangenheit zu erinnern, sich ihrer bewusst zu sein.“

Bis heute belastet die Vertreibung das Verhältnis zwischen Deutschland und Tschechien. Erst seit einigen Jahren stellt sich, in erster Linie eine junge Generation tschechischer Historiker und Journalisten, kritisch dem über Jahre propagierten Geschichtsbild vom selbstverschuldeten Sudetenland. Diese gesunde Selbstkritik würde auch vielen deutschen Politikern gut stehen. Im November 2010 beschäftigte sich die deutsch-tschechisch-österreichische Co-Produktion „Habermann“ von Juraj Herz als erster Spielfilm, den Deutsche und Tschechen zusammen drehten, zum ersten Mal mit dem „dunklen Kapitel der Sudetenvertreibung“. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film wurde bereits im Januar 2010 mit zwei Bayrischen Filmpreisen ausgezeichnet. „Die Entspannungspolitik der Gegenwart hat mittlerweile zwar Früchte getragen, von einer endgültigen Aufarbeitung des Themas kann aber leider noch keine Rede sein.“, heißt es im Pressetext zum Film.

Historisch gesehen kamen die ersten deutschsprechenden Siedler im Zuge des Landesausbaus ab dem 13. Jahrhundert nach Böhmen, Mähren und Schlesien und trugen Wesentliches zur Kultur der böhmischen Länder bei. „Mit neuen landwirtschaftlichen Geräten und Methoden machten sie die kargen Randgebirge urbar, die noch unbesiedelt waren. Ihre Fertigkeiten erschlossen den Holzreichtum und die Erzvorkommen. Die böhmischen Könige gründeten zahlreiche Städte nach Magdeburger und Nürnberger Stadtrecht, in denen deutsches Bürgertum eine prägende Rolle spielte. Böhmen wuchs ohne Rücksicht auf Sprache und Nation dem mitteleuropäischen Kulturraum zu und bildete eines von mehreren gleichberechtigten Zentren im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Vor allem die Zeit nach dem 30jährigen Krieg prägte bis heute das Bild der Städte und Märkte im ganzen Land. Der Reichtum des Adels und der Klöster machte das Königreich Böhmen zu einem Zentrum barocker Baukunst.“ (Verband der Sudetendeutschen)

Die Landschaft ist südlich des hohen Erzgebirgskammes lieblich. Nur wenig erinnert hier trotz der teils bis zu 900 Meter hohen Berge des Duppauer Gebirges an die tiefen und dunklen Täler des sächsischen Erzgebirges. Die Eger, die im Fichtelgebirge entspringt und bei Litomerice/ Leitmeritz in die Elbe mündet, schwingt sich hinter Karlovy Vary/ Karlsbad breit und gemütlich bis Kadan/ Kaaden durch das Egergraben genannte Engtal, welches das Erzgebirge vom Duppauer Gebirge trennt. An dessen Stelle stand früher ein etwa 2000 Meter hoher, dem Ätna vergleichbarer Vulkan, der bei einem Ausbruch explodierte und dessen Aschekegel im Laufe der Jahrhunderte abgetragen wird. Sein Krater ist der Duppauer Kessel. Wegen seiner natürlichen Beschaffenheit war das Gebiet das am dünnsten besiedelte in Böhmen. Etwas mehr als 15.000 Deutsche lebten verteilt auf 17 Gemeinden auf dem Hochplateau, von Viehzucht, Obstbau und Leineweberei. Nach der Vertreibung blieb das Gebiet sehr schwach besiedelt. Die tschechoslowakische Regierung nutzte diese Situation während des Kalten Krieges und richtete einen Truppenübungsplatz in dem Gebirge ein. Bis 1955 wurden die letzten Bewohner ausgesiedelt und das Duppauer Gebirge zur militärischen Sperrzone; nach 1960 wurden „in Manövern die ehemalige Stadt Duppau sowie leerstehende Dörfer als Zielobjekte für den Beschuss und die Bombardierung durch die Land- und Luftstreitkräfte dem Erdboden gleichgemacht.“ 1991 existierten von vormals über 2.200 Gebäuden nur noch 102 Häuser, in denen 616 Menschen lebten.

„Of de Barg, do is halt lustig,/ of de Barg, do is halt schie/ Do scheint de Sonn an allererschten,/ scheint se aah an längsten hie./   Wu de Wälder haamlich rauschen,/   wu de Haad su rötlich blüht,/ mit kann König mächt ich tauschen,/ weil do drum mei Haisel stieht!“ (Wu de Wälder haamlich rauschen, Anton Günther)

Es muss an der reinen Gebirgsluft, Slibowitz und Geselligkeit liegen, dass die Menschen der Region alt werden. Herr Friedrich, der als junger und schneidiger Mann in den letzten Kriegstagen einberufen wurde, seine erste Frau heiratete, weil er Mitleid mit ihr hatte und seine zweite Frau acht Monaten zuvor verloren hatte, erzählte mir bei einem Glas Gambrinus von seinem Leben in der Tschechoslowakei. Friedrich stammte aus dem Riesengebirge, war bei seinen Großeltern aufgewachsen und nach der Heirat nach Klösterle gezogen. Seine Großeltern waren nach 1945 enteignet worden und mussten das Haus, in welchen bereits die Vorfahren lebten, verlassen. Sie mussten die Heimat nicht verlassen und bezogen das Nachbarhaus. Nach der Wende kaufte ein Prager Arzt die Immobilie und baute sie zum Wochenenddomizil um. Friedrich klingt wehmütig; mit seinen 86 Jahren und der verlorenen Heimat nicht zu verwundern. Er schaut trotz allem zufrieden und leise zurück. „Auch wenn ich bereits einen meiner Söhne verloren habe, so schaut doch meine Tochter jeden Tag nach mir. Und jetzt brauche ich keine Rücksicht mehr nehmen und ungestört meiner Leidenschaft nachgehen.“ schmunzelt der Philatelist.

Rudi Höll, der mit einem Freund 1945 vom böhmischen Sosau ins benachbarte Sachsen geflüchtet war, konnte immer noch jede Einzelheit jener Tage beschreiben. Der ehemalige Deutschböhme, der zu DDR-Zeiten an der Polizeischule Aschersleben studiert hatte, fand nach der politischen Wende zu seinen Wurzeln zurück. Seit einigen Jahren berichtet er akribisch im Kaadner Heimatbrief über Geschichte und Geschichten der der verlorenen Heimat. Marie Ott, die sich nach der Vertreibung aus dem Elternhaus eine neue Heimat an der innerdeutschen Grenze aufbaute, hat hingegen mit den alten Zeiten endgültig gebrochen. Die rüstige 85jährige Frau stand immer mit beiden Beinen fest im Leben, doch „In Klösterle liegt seit 1945 mein Sparkassenbuch. Da brauch‘ ich auch nicht mehr reinzufahren.“

Im Sportlerheim der Klösterlischen Eishockeymannschaft, Mila Kral zeigte mir als ehemaliger Trainer voll Stolz die zahlreichen internationalen Pokale seiner Schützlinge, besuchte uns der ehemalige Bürgermeister von Klösterle. Der Tscheche bekleidete das Amt über viele Jahre und setzte den offenen Dialog seines Vorgängers fort. Es war ein persönliches Zeichen, welches der jugendlich wirkende Mittfünfziger setzte, als er die letzten Deutschböhmen am ersten Abend besuchte. Das die Stimmung jedoch aufgewühlt blieb, lag nicht nur an den alten Erinnerungen, sondern an einer Gedenktafel, die „Zum Gedenken der Opfer der Weltkriege und der Vertreibung.“ Am alten Kriegerdenkmal eingeweiht werden sollte. Dietmar Hübler, der seit einigen Jahren als Ortsbetreuer von Klösterle die Kontakte zwischen Tschechen und Deutschen aufrecht erhält, erläuterte die Verstimmung. „Der von uns im letzten Frühjahr der Stadtverwaltung Klösterle unterbreitete Textvorschlag für die erweiterte Gedenktafel am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof ist bedauerlicherweise von der Stadtverwaltung ohne vorherige Rücksprache abgeändert wurden. Nun ist auch die Gedenktafel vor dem Wintereinbruch etwas voreilig angebracht wurden. Der ursprüngliche Text der Ortsbetreuung“ wurde in „Zum Andenken der Opfer des II.Weltkrieges und der Aussiedlung“ abgeändert. „Versöhnung und gute nachbarschaftliche Beziehungen setzen die gegenseitige Anerkennung der geschichtlichen Wahrheit voraus.“ Es sind die Worte, die beiden Seiten zusetzen. Den Tschechen ist „Vertreibung“, vor dem Hintergrund der als Benesch-Dekrete bekannt gewordenen Erlässe, nicht genehm; den Deutschen die „Aussiedlung“ zu beschönigend. Die nach wie vor rechtskräftigen Dekrete, hauptsächlich Nr. 5/1945, Nr. 12/1945, Nr. 33/1945, Nr. 71/1945 und Nr. 108/1945, sind seit Jahrzehnten der Hauptstreitpunkt zwischen Tschechen und deutschen sowie österreichischen Vertriebenenverbänden. Die Politiker legten in der Deutsch-Tschechischen-Erklärung von 1997 ihre Standpunkte fest. Den Klösterlischen geht es um Worte und Anerkennung. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Den Friedhof meiner Vorfahren gibt es schon lange nicht mehr. Er wurde zerstört, die Grabsteine umgerissen und planiert. Die verbliebenen Zeugen der deutschen Besiedlung Böhmens wie Urkunden, Personenregister und Ortsnamen wurden mit tschechischen Endungen versehen oder gänzlich umbenannt. Es bleibt nur zu wünschen, dass sich die dritte Generation annähern kann. Wie sagte „dr Nochbor Seff“: „Es gibt keine Kollektivschuld. Ich war auch nach der Vertreibung voller Hass. Aber nun nicht mehr.“

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